Sonntag, 25. Januar 2009

Transferator

Der neue Mobilfunkvertrag lief zwei Jahre; Markus konnte sein neues Handy gleich mitnehmen. "Denken Sie daran, Ihre Kontakte aus dem alten Telefon zu übertragen", sagte der Verkäufer. "Kein Problem", entgegnete Markus.

Der Verkäufer schien überrascht, dass Markus so eine komplexe technische Operation beherrscht. Er zeigte auf einen grauen Würfel. "Wenn Sie wollen, kann ich das für Sie machen. Wir haben dafür einen Transferator." Er sagte wirklich Transferator. Das fand Markus so witzig, dass er einwilligte.

Wenige Minuten später waren alle Daten aus dem alten Telefon aufs Neue überspielt. Markus bedankte sich herzlich. Da wusste er noch nicht, dass die Mobilfunkfirma für einmal Transferator sechs Euro berechnet. Wäre ja wirklich nett, so was vorher zu erfahren.

Samstag, 24. Januar 2009

Wir behalten uns vor

Welches Notebook ist richtig? Paul hatte sich zwei Wochen gründlich informiert. In Läden und im Internet. Schließlich traf er seine Wahl und orderte bei einem Onlineshop. An der Auftragsbestätigung hingen Allgemeine Geschäftsbedingungen. Kleingedruckt. Unverständlich.

Dass all die Paragrafen wichtig werden, hätte Paul nicht gedacht. Als das Paket eintraf, wurde er eines Besseren belehrt. Die Firma lieferte nämlich nicht seinen Wunschcomputer, sondern ein ähnliches Modell. Am Kundentelefon musste sich Paul abbürsten lassen. „Wir behalten uns vor, gleichwertige Produkte zu liefern.“ Siehe Paragraf 18 Absatz 9.

So schlau sich die Firma auch vorkam, Paul war cleverer. Er pochte kurzerhand auf sein zweiwöchges Widerrufsrecht, für das er nicht mal Gründe braucht. Murrend nahm der Händler das Notebook zurück und erstattete den Kaufpreis sowie die Versandkosten.

Im Fachgeschäft um die Ecke war der Computer 30 Euro teurer. Aber dafür kriegte Paul auch wirklich das, was er wollte.

Freitag, 23. Januar 2009

Proaktiv zum Schaffner

Sebastian hatte mal wieder vergessen, eine Viererkarte zu holen. Im Bus ist das kein Problem; dort kassiert der Fahrer noch selbst. In die S-Bahn reinspringen und nach dem Schaffner suchen, wagte Sebastian nicht. Er hatte schon zu viele Storys gehört, wie man ganz schnell als Schwarzfahrer abgestempelt wird.

Doch seine gute Vorsätze scheiterten am Fahrkartenautomaten. Der weigerte sich nämlich strikt, einen Schein zu akzeptieren. Sebastian bügelte Zehner und Zwanziger glatt, doch der Automat wollte nicht.

Wenn er seinen Termin nicht verpassen wollte, musste Sebastian es wagen. Rein in den Zug, proaktiv auf den Schaffner zugegangen. Der guckte zwar böse, holte aber nicht gleich die Bundespolizei. Stattdessen kassierte er einen Fahrpreis, der ungefähr dreifach so hoch war wie das, was der Automat angezeigt hatte.

Von daher fragt sich Sebastian, ob die maroden Automaten vielleicht gewünscht sind. Immerhin lassen sich so die Umsätze steigern.

Donnerstag, 22. Januar 2009

In die Tonne kloppen

Karsten das Gefühl, dass gerade Büdchenbesitzer mittlerweile über die Pfandpflicht nur noch schmunzeln. Ständig kriegt er Dosen in die Hand gedrückt, auf die gar kein Pfandlogo aufgedruckt ist. Zuerst hat Karsten nicht gewusst, was Sache war.

"Kein Pfand."

Meinte der Mann im Fensterchen damit, dass er die Dose nicht zurücknimmt, auch wenn Karsten sie an Ort und Stelle leert? Nein, mit kein Pfand meint er kein Pfand. "Kannste in die gelbe Tonne kloppen." Das war ja mal eine Aussage.

Beim übernächsten Kiosk fragte Karsten, wie es zu der Vermehrung der pfandfreien Dosen kommt. "Die importieren wir aus Belgien", sagte der Verkäufer. "Kriegt man aber auch beim Großhändler. Musst nur lange genug fragen."

Karsten wundert sich, wie gelassen die Verkäufer das Spielchen treiben. Kaufen Beamte, die so was kontrollieren sollen, nicht auch mal am Kiosk ein?